Safari Yetu

„Unsere Reise“

Dies ist der Bericht über meine Reise nach Tanzania vom 31. August bis zum 4. Oktober 2000. Nach dem ersten Staatsexamen unseres Pharmaziestudiums wollten meine Kommilitonin Melanie und ich die verbliebenen Ferien weit weg von deutschen Behörden verbringen, und da eine Freundin von Melanie schon einmal in Tanzania gearbeitet hatte, fiel unsere Wahl auf dieses schöne Land im Osten Afrikas. Wir schrieben etwa zwanzig Krankenhäuser an, von denen uns einige wenige antworteten. Das Krankenhaus in Kilimatinde, das in der Mitte Tanzanias liegt, antwortete uns als erstes und bot uns freie Logis an, ein Angebot, das wir aufgrund des herzlichen Briefs von Dr. Kiula sofort annahmen.

Nach einer kurzen Übergangszeit in Dar es Salaam gelang es uns, einen Bus nach Kilimatinde zu bekommen. Dort arbeiteten wir mitten im afrikanischen Busch für drei Wochen in der pharmazeutischen Abteilung, die eher einem seit Jahrzehnten nicht mehr aufgeräumten Lager als einer medizinischen Einrichtung ähnelte, so daß wir dort erst einmal für Ordnung sorgten, was den größten Teil unserer Arbeitszeit einnahm. Ab und zu lud uns Doktor Kiula zu Fahrten in die Umgebung ein, wo er zu tun hatte. Die Nachmittage und Abende verbrachten wir in unserem kleinen Haus auf dem Krankenhausgelände, beim Einkaufen im nahegelegenen Dorf oder mit Spaziergängen im Busch, der etwa 25 Meter vor unserem Haus begann.

Wir hatten nur dreimal in der Woche für wenige Stunden fließendes Wasser, das in Eimern aufgefangen und zu unserer großen Wassertonne getragen werden wollte. Zum Duschen köpften wir eine mitgebrachte Volvic-Flasche, die wir über unserem Kopf langsam ausleerten. Auch ein Spiegel war nicht vorhanden, was mir besonders beim Rasieren unangenehm auffiel. Zum Glück hatte ich einen Taschenspiegel eingepackt…

Elektrischer Strom war ebenfalls nicht vorhanden, obwohl die Stromleitung direkt über das Dorf lief, denn es fehlte das Geld für ein Umspannwerk. Das Krankenhaus verfügte über einen Generator, der allerdings nur während Operationen und in den ersten Stunden des Abends (bis etwa 22 Uhr) lief – danach wurden die Petroleumleuchten ausgepackt.

Um unser Haus kümmerte sich Anna, die von den Einheimischen auch „Mama Happy“ genannt wurde – nicht zu Unrecht. Da sie kein Englisch sprach, mußte ich mit ihr auf Kiswahili kommunizieren, das ich im Laufe der Zeit gelernt habe. Meistens endeten meine Kommunikationsversuche und Pantomimedarstellungen im gegenseitigen Lachen…

Anna konnte sehr gut kochen und hat das Haus in einem akzeptablen Zustand gehalten. Am Abend und Sonntags hatte sie frei, und auch unsere Wäsche haben wir selber gewaschen. Denn auch wenn wir Anna selbstverständlich für ihre Dienste bezahlt haben, kamen wir uns ein bißchen wie Sklaventreiber vor.

Die familiäre Stimmung im Dorf Kilimatinde kann man kaum umschreiben. So warm und herzlich bin ich noch nirgendwo aufgenommen wurden, und nach einer Woche kannte uns jeder einzelne Bewohner. An jeder Ecke riefen Kinder meinen Namen, da sich keiner den Namen von Melanie merken konnte. Ich war vor kaum drei Wochen noch in Kilimatinde, und dennoch vermisse ich das Dorf und seine Bewohner, als läge unsere letzte Begegnung Jahre zurück. Nach drei Wochen fuhren wir zurück nach Dar es Salaam und von dort aus weiter nach Zanzibar, um noch einen weiteren sehr schönen Teil Tanzanias kennenzulernen. Während in Kilimatinde das Christentum (anglikanische Kirche) überwog, trafen wir auf Zanzibar lediglich auf Moslems, die zwar recht enthusiastisch über den Koran redeten, allerdings nicht streng gläubig waren. Nach zehn Tagen, die wir vollends genossen haben, ging die Reise zurück nach Dar es Salaam und weitere zwei Tage später weiter nach Deutschland.

Das soll als Einleitung genügen. Ich kann Euch ein solche Reise nur ans Herz legen – es war einfach wunderschön!

Die folgenden Berichte habe ich mangels eines Internetzugangs in ein Reisetagebuch geschrieben und später abgetippt.

Menschen, die mich nicht näher kennen, könnten einige meiner Aussagen als Rassismus auslegen. Davon möchte ich mich ausdrücklich distanzieren! Ich differenziere Menschen in gut und schlecht – Hautfarbe, Klasse, Ethnie oder Geschlecht spielen für mich keine Rolle.

Ich habe meine Reiseberichte mit viel Humor geschrieben und immer wieder über die Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen nachgedacht. Das war sehr lehrreich und ich habe versucht, die schönsten Angewohnheiten fremder Menschen zu übernehmen. Diese Begegnungen haben mein Leben verändert und ich bin dafür unendlich dankbar!

Der Reisebericht als PDF-Datei

Den Reisebericht gibt es auch als PDF-Datei. Kostenlose Programme zum Betrachten dieser Datei gibt es hier.