12 Wochen in Beijing

Eine Erfahrung

Ich habe vom 14. April bis zum 9. Juli 1998 an der Beijing Language and Culture University in Beijing (Peking) Chinesisch gelernt. Meine Reiseberichte habe ich in Form von E-Mails an meine Freunde geschickt, von denen mir einige den Vorschlag machten, diese auf einer Homepage für diejenigen zur Verfügung zu stellen, die etwas ähnliches vorhaben oder sich einfach nur für die chinesische Kultur zum damaligen Zeitpunkt interessieren.

Warum macht sich ein Deutscher eigentlich auf den Weg ins ferne China? Dazu muß ich sagen, daß ich von der 8. bis zur 10. Klasse in der Schule Chinesisch gelernt habe. Ende der 10. Klasse folgte dann ein dreiwöchiger Austausch mit Schülern in Shanghai. Ein reger Briefkontakt mit meinem ehemaligen Austauschpartner Dai Guangwei war die Folge dieses Austausches. „Rege“ ist allerdings nicht wortwörtlich gemeint, denn ein Luftpostbrief war drei Wochen unterwegs. Der letzte Satz jedes Briefes war immer derselbe: „We will see again.“ Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder nach China fahren würde. Als Zeitpunkt der Reise bot sich der Zeitraum zwischen beendetem Zivildienst und dem Beginn meines Pharmaziestudiums in Freiburg an. Auch über das Ziel der Reise war ich mir im Klaren, denn mein chinesischer Freund wohnte inzwischen in Beijing.

Guangwei war aber nicht der einzige Grund, nach China zu reisen. Die Kultur der Chinesen und auch die Chinesen selbst haben mich schon immer fasziniert. Da aber kaum ein Chinese Englisch spricht und meine Chinesischkenntnisse inzwischen verflogen waren, dachte ich an einen Sprachkurs an der Pekinger Fremdsprachenschule, die in unseren Lehrbüchern immer erwähnt wurde. Meine ehemalige Chinesischlehrerin Frau Cheng sorgte für die spärlichen Informationen über die Schule, den Rest mußte ich notgedrungen selber machen. Nur ein Beispiel: ich wollte die Anmeldung zur Schule faxen und hatte auch eine Telefonnummer. In den letzten Jahren wurden aber sämtliche Telefonnummern Chinas umgestellt, so daß ich plötzlich irgendeine Chinesin am Apparat hatte, die kein Wort Englisch konnte.

Justus, ein Schüler von Frau Cheng, wollte gerne mit nach China kommen. Nach einiger Planung sind wir dann tatsächlich zusammen nach Beijing gefahren und haben uns das Zimmer „109“ im Gebäude 14 der Schule geteilt. Ob unsere Liebe zu „gong bao ji ding“ (scharfes Hühnerfleisch mit Erdnüssen) dazu beigetragen hat, daß wir gute Freunde wurden???

Eine Sache muß ich noch loswerden: in einigen E-Mails beschwere ich mich darüber, daß meine Freunde Umlaute in ihren E-Mails benutzt haben. Auf den folgenden Seiten wimmelt es aber von Umlauten. Das liegt daran, daß ich sämtliche E-Mails überarbeitet habe. So wurde aus einem geschriebenen „oe“ ein „ö“ und aus einem „ss“ ein „ß“. In den Originalen hingegen waren keine Umlaute enthalten. Wie denn auch – mein höchstes Glück war eine englische Tastatur, an der Tagesordnung waren chinesische oder gar koreanische.

Menschen, die mich nicht näher kennen, könnten einige meiner Aussagen als Rassismus auslegen. Davon möchte ich mich ausdrücklich distanzieren! Ich differenziere Menschen in gut und schlecht – Hautfarbe, Klasse, Ethnie oder Geschlecht spielen für mich keine Rolle.

Ich habe meine Reiseberichte mit viel Humor geschrieben und immer wieder über die Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen nachgedacht. Das war sehr lehrreich und ich habe versucht, die schönsten Angewohnheiten fremder Menschen zu übernehmen. Diese Begegnungen haben mein Leben verändert und ich bin dafür unendlich dankbar!

Der Reisebericht als PDF-Datei

Den Reisebericht gibt es auch als PDF-Datei. Kostenlose Programme zum Betrachten dieser Datei gibt es hier.